Als das zehnte Jahr..
Als das zehnte Jahr
Uns gekommen war,
Und ich sah dein Bild verblassen,
War in mir ein Flehn:
Lass es nicht geschehn,
Dass wir beide voneinander lassen!
Du, mein Augenlicht!
Du, mein Angesicht!
Du, mein Halt im Ungewissen!
Du, mein Trostgeläut!
Und nun soll ich heut
Alles das für alle Zeit vermissen.
Und die Welt war leer,
Und der Weg war schwer,
Und ich bin den Weg gegangen.
Fern lagst du, so fern,
Wie ein fremder Stern,
Und mein Herz war voller Angst und Bangen.
Müd hat sich gesehnt
In uns ein Jahrzehnt,
Müd sind wir von all dem Sehnen.
Träume unerfüllt,
Was dein Bild verhüllt,
Ists ein Schleier nicht aus Blut und Tränen?
Und dein Bild entschwand
Und das Abendland
Lag in seiner blauen Trauer.
Aber hoch im Raum
Wölbte sich ein Traum
Und verhieß dem Leben Sinn und Dauer.
Auch die Jahre zehn
Werden nicht verwehn,
Und kein Abschied kann uns scheiden.
Im Geschiedensein
Bleib ich immer dein,
Denn ein großer Traum träumt in uns beiden.
Johannes R. Becher
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