Tove Ditlevsen: Vilhelms Zimmer
Eine prominente Schriftstellerin wird von ihrem Mann wegen einer anderen Frau verlassen und schaltet eine Anzeige: Sie habe Platz frei für einen neuen Mann. Das Inserat bringt Lise Mundus einen frischen Partner, besonders pikant aber ist, dass es in der Zeitung erschien, deren Chefredakteur Vilhelm ist, der entschwundene Mann. Ein Konkurrenzblatt widmet der Schriftstellerin eine Homestory, bietet ihr schließlich an, in Fortsetzungen über ihre Ehe zu schreiben.
Vilhelms Zimmer“ ist ein Roman mit einigen besonderen Kniffen. Es ist das letzte Buch von Tove Ditlevsen, 1975, ein Jahr vor ihrem Tod erschienen. Jene Lise Mundus, die man schon aus dem Psychiatrie-Roman „Gesichter“ kennt, trägt viele Eigenschaften der Autorin selbst. Und wie ihre Figur wird sich auch die Autorin später umbringen.
Doch anders als in ihren anderen Büchern, vor allem der seit 2021 posthum zum Welterfolg gewordenen Kopenhagen-Trilogie (auf Deutsch als „Kindheit“, „Jugend“ und „Abhängigkeit“ erschienen), verteilt sie die Ähnlichkeiten diesmal auf zwei Instanzen. Es gibt in diesem Roman nicht nur die Schriftstellerin, über die in dritter Person erzählt wird, sondern auch ein erzählendes Ich, das man ebenfalls Ditlevsen zuordnen kann.
Sie möchte ein Buch schreiben „über Vilhelms Zimmer und alles, was darin geschah oder davon ausging“, sagt das Ich am Anfang des Romans. Es gehe um „jene Ereignisse, die zu Lises Tod führten, den ich nur überlebt habe, damit ich ihre und Vilhelms Geschichte aufschreiben kann“.
Tove Ditlevsen: Vilhelms Zimmer. Roman. A. d. Dän. v. Ursel Allenstein. Aufbau, Berlin 2024. 206 S., 22 Euro.
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