Dagmar Schifferli: Auch Fische können ertrinken
Dagmar Schifferli beschäftigt sich häufig mit den Schnittstellen zwischen Pädagogik, Psychologie und Literatur. In dem neuen Roman "Auch Fische können ertrinken" kämpft eine Ärztin mit ihren inneren Dämonen.
von Annemarie Stoltenberg
Dagmar Schifferlis Roman ist inszeniert als innerer Monolog einer Ärztin. Sie erzählt von einer schwierigen, belasteten Kindheit.
Die Ich-Erzählerin leidet an Atemnot und beschreibt die Schwierigkeit, als Medizinerin selbst krank zu werden. Sie begibt sich in ein berühmtes Sanatorium, jenes, wo einst Katia Mann Genesung gesucht hat. Im Roman wird der Ort D. genannt. Hier hat die Erzählerin noch mehr Zeit zu grübeln als zu Hause und mit dem Leben zu hadern. Ihre Kindheit war nicht nur durch die chronisch kranke Mutter belastet, sondern auch durch einen Vater, der die Mutter mit einer Tante des Kindes betrogen hat. Sie führt ihre angeschlagene Gesundheit auf ihre Kindheitsverwundungen zurück:
Sicherlich gibt es unterschiedliche Ausprägungen von Scham. Diejenige, meinem Leben nicht mehr gewachsen zu sein, gehört zu denen, die am tiefsten greifen. Sie krallt sich in mir fest. Manchmal mehr, manchmal weniger. Wenn sie heftig zupackt, vereint sie sich mit dem schwarzen Gefühl des Verlassenseins. Scham. Von Kind auf gelernt. So erbarmungslos beschimpft, dass das Kind erstarrt, während gleichzeitig seine Seele in sich zusammenfällt. Kommen weitere Demütigungen dazu, ist das kleine Wesen überzeugt: Ich bin falsch, unwert, geliebt zu werden. Es ist im Kern vernichtet durch die ständige Kritik der Erwachsenen.
Weiterlesen:
https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Auc...ifferli100.html
Reset the World!
Beiträge: | 27.505 |
Registriert am: | 02.11.2015 |
![]() | Ein eigenes Forum erstellen |