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Charles Lewinsky wendet sich in seinem Roman "Täuschend echt" einer möglichen nahen Zukunft der Literatur zu. Darin entwirft der Schweizer Schriftsteller eine wahrlich gruselige Vision. von Annemarie Stoltenberg
Ein Mann in der Krise. Er erzählt, von Selbstmitleid triefend, wie ihn seine deutlich jüngere Geliebte verlassen hat. Nicht nur, dass sie seine Scheckkarte - samt ihr bekannter Geheimnummer - stibitzt hat, um damit Wohlfühlferien auf Bali zu finanzieren, sie hat sein gesamtes Selbstwertgefühl buchstäblich zermalmt. Der Ich-Erzähler ist Werbetexter und sie hat ihm vor dem Abschied noch zugerufen, dass das, was er da schreibt, inzwischen von der Künstlichen Intelligenz besser formuliert werden könnte. Er gibt das Thema, an dem er gerade arbeitet, zur Probe im Computer ein. Es geht um gesundes Müsli: Mit unserem Müsli starten Sie jeden Morgen mit neuer Energie in den Tag. Es ist reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien und sättigt Sie bis zum Mittagessen (…). Zusätzlich ist es glutenfrei und damit für alle geeignet. (…) Mein Todesurteil. Das ist sein Fazit.
Er versucht die Krise zu bewältigen, indem er sich selbst der Künstlichen Intelligenz bedient. Er erfindet eine Autorin, die aus Afghanistan stammt und ihre tragische Lebensgeschichte erzählt - geschrieben von der mit Informationsbrocken gefütterten KI. Zuerst findet sich allerdings kein Verlag, der den Roman dieser unbekannten Autorin veröffentlichen will. Aber unser Held kämpft furchtlos weiter, denn er ist überzeugt von seiner Geschichte, der er den Namen "Schabnam" gegeben hat, und von der Textentstehung: Ich habe die Geschichte erfunden (oder die KI hat sie für mich erfunden), aber wenn ich mir vorstelle, wie Schabnam sie mir erzählt, kommen mir die Tränen. Das ist ein gutes Zeichen. Dann erscheint der Roman und plötzlich interessiert sich der berühmte Literaturkritiker Denis Scheck dafür. Ein Fernseh-Interview der Autorin mit ihm wäre der Durchbruch: