Die Brennnessel-Revolution: Wie eine Naturfaser den Textilmarkt erobert
Seit Jahrtausenden werden Brennnesselfasern zur Herstellung von Stoffen und Textilien genutzt. Jetzt könnten sie einen neuen Siegeszug antreten – Dank einiger Initiativen und Forschungsprojekte.
Kleidung oder Textilien, die aus Brennnesselfasern hergestellt werden – das klingt zunächst sehr neu und innovativ. Dabei ist die Brennnessel als Faserpflanze schon uralt: Bereits in der Steinzeit werden Nesselfasern verarbeitet und in der Bronzezeit, als Hanf und Flachs schon kultiviert sind, werden Brennnesselfasern aufgrund ihrer besonders feinen und seidigen Stoffe geschätzt.
Ab dem Mittelalter mausert sich die Brennnessel zu einem der wichtigsten Faserlieferanten bei der Textilherstellung, da sie – im Gegensatz zur Baumwolle – auch im mittel- und nordeuropäischen Raum wächst. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verliert die Naturfaser allerdings an Bedeutung und wird mehr und mehr durch günstigere Baumwollimporte ersetzt.
Das könnte sich nun wieder ändern. Der Bedarf an natürlichen Faserstoffen steigt und die Industrie sucht verstärkt nach Alternativen zu industriell geschaffenen und erdölbasierten Fasern. Prognosen gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Naturfasern innerhalb der nächsten 25 Jahre um etwa 300 % steigen könnte – unter anderem auch nach Brennnesselfasern.
Ein Problem bei Naturfasern: Der Anbau benötigt viel Land. Schätzungen zufolge wird allein in Frankreich für biobasierte Faserpflanzen bis 2035 eine Fläche von etwa 300.000 Hektar benötigt. Damit steht der Anbau von Faserpflanzen in direkter Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion.
Mit genau dieser Herausforderung hat sich ein Team internationaler Forschender beschäftigt. „Wir haben uns angesehen, wie man Brennnesseln als Faserpflanzen auf Flächen kultivieren kann, die sonst ungenutzt bleiben würden“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Jörg Müssig von der Hochschule Bremen, einer der beteiligten Wissenschaftler am Projekt NETFIB. Ziel des Projektes war es, den Brennnesselanbau auf Böden zu erforschen, die sich nicht zur Lebensmittelproduktion eignen oder sogar kontaminiert sind. Außerdem sahen sich die Forschenden an, welche Ökobilanz die Brennnessel im Vergleich zu herkömmlichen Bastfasern wie Hanf bietet und ob aus den vielseitigen Pflanzen mit den Brennhaaren auch neue biobasierte Verbundwerkstoffe hergestellt werden können. Die Ergebnisse sind erstaunlich.
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