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Michael Köhlmeier: Die Verdorbenen

#1 von Sirius , 14.02.2025 15:23

Michael Köhlmeier: Die Verdorbenen

In „Die Verdorbenen“ erzählt Michael Köhlmeier eine dunkle Geschichte, die sich von selbst verstehen muss – und dem autofiktionalen Erzählen ein Schnippchen schlägt.
Ein böses kleines Buch, ein Rätsel ohne Versteckspiel. Der neue Roman des gegenwärtig jährlich mindestens einmal liefernden Schriftstellers Michael Köhlmeier heißt „Die Verdorbenen“, aber das, was bei diesem attraktiven, nicht zu ausgelaugten Wort mitschwingt – dass nämlich verdorben ist, was vorher einmal frisch war –, fehlt hier zur Gänze. Ebenso schwer fällt es, den Begriff moralisch zu deuten, denn weiter von moralischen Fragen ist auch Albert Camus’ „Der Fremde“ nicht entfernt, ein Buch, an das sich bei der Lektüre denken lässt.

Das liegt an dem Ich-Erzähler, das liegt mehr noch an einem, nun ja, fatalen Vorfall am Strand. Und es liegt an einem Kommissar, der dem Erzähler nachher aus der Lamäng die Leviten lesen wird. „Du bist verdorben auf die Welt gekommen“, sagt er, „ein verdorbener Mensch und dennoch unschuldig. Das gibt es. Aber es klingt interessanter, als es ist. Du bist kein Held der Liebe. Solche sind immer irgendwie schuldig. Du aber bist ein durch und durch und von allem Anfang bis in Ewigkeit Unschuldiger …“ Ob er damit recht habe, fragt er den jungen Mann. „,Sie haben recht‘, sagte ich. Ich hätte ihn gern zurückgeduzt, aber ich fürchtete, er würde mich dann noch ein paar Tage hier behalten.“ Auch „Die Verdorbenen“ ist ein schmales Buch und hat es in sich.

Das Rätsel ohne Versteckspiel: Unten auf der fünften Seite ist der kleine Junge vom Vater soeben gefragt worden, was er im Leben auf jeden Fall einmal tun wolle. Die Beantwortung – denn Kommunikation ist nicht die starke Seite der Figuren in „Die Verdorbenen“ – verschiebt der Vater gleich selbst auf den nächsten Tag und kommt nie mehr darauf zurück. Dabei weiß der kleine Junge seine Antwort. Er weiß aber auch, dass er das nicht sagen, nur denken darf. Er denkt also: „Einmal im Leben möchte ich einen Mann töten.“ Das mag etwas plakativ klingen, aber der Junge denkt nicht weiter darüber nach, wie auch Köhlmeier zusammen mit dem Erzähler den Ball flach hält. Der Ton ist geradezu: spröde.

Weiterlesen:

https://www.fr.de/kultur/literatur/micha...d-93570578.html


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Sirius
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