Andreas Izquierdo: Kein guter Mann
Selten hat man einen Mann erlebt, der sich selbst so hoffnungslos ins Aus katapultiert und mit Schuld beladen hat, wie Walter, der Protagonist in Andreas Izquierdos neuem Roman "Kein guter Mann".
von Annemarie Stoltenberg
Andreas Izquierdo macht es seinen Leserinnen und Lesern am Anfang nicht leicht. Es gibt einen herzlich unsympathischen Helden, der durchgängig üble Laune hat. Sein Plan, etwas Gutes im Leben zu bewirken, krankt an der Lüge, auf der er fußt. Walter ist im Prinzip ein gewissenhafter Postbote. Gleichwohl versuchen seine Vorgesetzten, ihn in den Vorruhestand loszuwerden.
Lange bevor Walter aus Versehen Gott wurde, suchte seine Chefin bereits nach Wegen, ihn loszuwerden. Nicht nur, weil er ein gewisses Alter erreicht hatte und den Anforderungen seines Berufes als Postbote kaum mehr gewachsen war, sondern vor allem, weil sich die Liste der Beschwerden über ihn zu einer Fahne ausgewachsen hatte, die man, auf den höchsten Hügeln des idyllischen Ründeroths aufgestellt, im gut vierzig Kilometer entfernten Köln ebenso hätte sehen, wie man den Weg dorthin mit ihren vielen mahnenden, zuweilen auch weiß glühenden Worten hätte asphaltieren können. Allein, es half nicht.
Man versetzt Walter dann in eine Filiale, wo die Weihnachtsbriefe der Kinder beantwortet werden. Das soll standardmäßig geschehen, mit vorgedruckten Normschreiben. Aber der unterforderte Walter liest die Briefe und manche erschüttern ihn so, dass er antworten möchte. Er gibt sich dabei als Gott aus, denn an den lieben Gott ist der Brief eines einsamen, verzweifelten Kindes gerichtet. Unterdessen wächst sich ein schlimmer Streit mit einem Kollegen am Arbeitsplatz zu einem Drama aus.
Frau Witzke, Zeugin jener schicksalhaften Begebenheit, konnte zu Walters Ehrenrettung bestätigen, dass ihn am Ausbruch der Feindseligkeiten keine Schuld traf, was ihn aber nicht von dem Vorwurf freisprach, eine Gedankenlosigkeit zu einer eichenharten Fehde eskaliert zu haben. Walter hätte die Sache großzügig auf sich beruhen lassen, wie Herr Leyendecker sich kleinlaut hätte entschuldigen können, aber weil der eine für den anderen in etwa so viel Verständnis aufbrachte, wie ein brunftiger Widder für ein rivalisierendes Männchen, trat nichts von beidem ein.
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