Martin Mosebach: Die Richtige
Mittlerweile legt Martin Mosebach alle zwei Jahre einen neuen Roman vor. "Die Richtige" heißt das neue Werk des Büchnerpreisträgers aus Frankfurt, das - im weitesten Sinne - im Kunstbetrieb spielt.
von Alexander Solloch
Gerade hat die Frau sich ausgezogen, sich mit dem Bauch auf die Matratze gelegt, ein Bein leicht angewinkelt, gerade so, wie der Maler es von ihr gefordert hat. Noch aber fängt er nicht an, den Pinsel zu schwingen. Er redet, murmelt vielmehr, an wen richtet er seine Worte, an sie, das Modell, oder doch nur an sich selbst?
"Dies könnte ein neuer Anfang werden … Eine neue Frische … Ich muss versuchen, wieder loszuwerden, dass meine Bilder ein Markenzeichen haben … Handschrift ja, aber aus der sich einschleichenden Masche herauszukommen… Ein Bild ohne Botschaft … ein stummes Bild … stumm wie du jetzt … a thing is what it is and nothing else …"
Louis Creutz, Maler, genialischer Egomane, ein Einzelgänger, den gelegentlich die Menschengier überkommt: er hat "die Richtige" zu sich ins Atelier gelockt, Astrid, Mitte 30, 15 Jahre jünger als er selbst. Seinen alten Sammlerfreunden Beate und Rudolf war sie zunächst als "die Richtige" erschienen, als sie der Meinung waren, Rudolfs Bruder Dietrich müsse endlich heiraten. Nur um herauszufinden, wie weit seine Wirkmacht reicht, hat der Maler sich auf das schwierige Experiment eingelassen, die beiden zu verkuppeln, den wohlhabenden, in Fragen der Liebe sympathisch unbeholfenen Unternehmer und die selbstbewusste, zugleich unbekümmerte Deutschschwedin. Das klappt erstaunlicherweise, und nun sitzt sie in seinem Atelier, "die Richtige" - und wie weit werden die beiden jetzt gehen? Creutz interessiert sich nicht für Landschaften, für Stillleben - einzig die Frau ist ihm ein gültiges Sujet der Ölmalerei, die Frau und ihr wichtigstes Organ:
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https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Die...osebach106.html
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