Gedichte, wer will denn so was!
"Warum hassen wir Lyrik?" fragt der Schriftsteller Ben Lerner in seinem neuen Buch. Es ist eine anregende, verdrehte Liebeserklärung.
Eine Rezension von Maja Beckers
Als Ben Lerner in der neunten Klasse ein Gedicht auswendig lernen soll, fragt er die Bibliothekarin der Topeka High School, welches das kürzeste Gedicht sei, das sie kenne. Sie schlägt ihm den Vierzeiler Lyrik von Marianne Moore vor, der mit den Worten beginnt: "Ich mag sie auch nicht." Seitdem laufe dieser Satz in Lerners Kopf auf repeat, wie er sagt. Mittlerweile hat er selbst drei Gedichtbände veröffentlicht sowie drei Romane. Ben Lerner ist nicht nur einer der bekanntesten US-amerikanischen Dichter der Gegenwart, er denkt auch viel darüber nach, was diese Lyrik heute noch bedeutet, und fasst einiges davon nun zusammen in seinem Essay Warum hassen wir die Lyrik? Darin, dass sie Lyrik hassen, glaubt Lerner, seien sich viel mehr Menschen einig, als sich darüber einigen können, was Lyrik überhaupt ist.
Der Hauptgedanke dieses Essays formuliert etwas, das in Lerners Romanen bereits mehrfach anklang. In Abschied von Atocha zum Beispiel kommt ein junger Dichter mit einem Stipendium nach Madrid, um dort ein Gedicht über den Spanischen Bürgerkrieg zu schreiben. Stattdessen denkt er darüber nach, wie enttäuschend es schließlich auch ist, wenn aus dem Traum vom perfekten Gedicht das konkrete, zwangsläufig unperfekte Gedicht wird, das er wirklich schreibt.
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https://www.zeit.de/kultur/literatur/202...ik-essay-kritik
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