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Anne Enright: Vogelkind

#1 von Sirius , 12.02.2025 15:30

Anne Enright: Vogelkind

Von drei Generationen Frauen und einem Dichter: Anne Enrights Roman „Vogelkind“.
Wir gehen nicht durch die gleiche Straße wie der Mensch an unserer Seite. Wir können nicht mehr tun, als ihm zu sagen, was wir sehen.“ Es ist Nell, Anfang 20, die hier spricht. Und durch sie die irische Schriftstellerin Anne Enright, geboren 1962 in Dublin. Dass kein Mensch Dinge haargenau so wahrnimmt, wie ein anderer Mensch, dass keine Leserin ein Buch genau so liest, wie eine andere, ist eine Binsenweisheit. Aber Nell reflektiert sie auf den ersten Seiten eines Buches, das uns immer wieder mit dem Ergebnis konfrontiert: Hat Nell recht, wenn sie eine Szene beschreibt? Hat ihre Mutter Carmel recht? War es womöglich noch ganz anders, so wie es der Dichter, Nells Großvater Phil, in einem TV-Interview erzählt?

Das oben Zitierte geht weiter: „Wir können auf Dinge zeigen und versuchen, sie zu benennen. Wenn wir es geschickt anstellen, erlebt unsere Begleitung die Welt auf eine neue Weise, und dann kommt es zu einer echten Begegnung.“
Und wie geschickt es Anne Enright anstellt! Und zu welchen echten Begegnungen es kommt.

Nell also beginnt. Es muss sich um die heutige Zeit handeln, denn die junge Frau, die hier von sich und ihren Männerlieben (oder jedenfalls vom Sex) erzählt, schreibt Reiseberichte aus Orten, in denen sie nie war. Schaut sich diese Ferienziele zum Beispiel über Google maps an. Schreibt außerdem Texte für eine Bloggerin und Influencerin. Und Nell benutzt eine Menstruations-App, der sie mehr vertraut als ihrem Körper. Dabei meldet dieser alles, die kleinste „Kaulquappe“ mit dem größten Unbehagen.

Es könnte eine Spermie von Felim sein, ein stattlicher Typ vom Land, in den sich Nell verliebt, nachdem er sie im Club am Kopf hochgehoben hat. (Im Ernst. Dieser Roman ist voll aparter Details.) Nach dem ersten Mal hat er Tränen in den Augen. „Das zweite Mal war traurig und ein bisschen hektisch.“ Felim meldet sich bald nur noch selten, sie ahnt, dann weiß, dass das nichts mehr wird, seit er sie gegen ihren Protest nackt fotografiert hat. Sie ist überzeugt, dass ihre Fotos – immerhin ist ihr Kopf nicht mit drauf – nun im Internet kursieren und auf der ganzen Welt Männer sie anglotzen. Sie lässt sich ein Tattoo stechen, ganz fein, unterm Schlüsselbein: „Liebe ist eine Flut“. Eine Zeile aus einem Gedicht ihres Großvaters.

Weiterlesen:

https://www.fr.de/kultur/literatur/anne-...t-93566052.html


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Sirius
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