Wolf Haas: Wackelkontakt
Wolf Haas’ Roman "Wackelkontakt" ist für den Leipziger Buchpreis 2025 nominiert. Das Buch ist ähnlich skurril und amüsant wie die "Brenner"-Romane des Autoren, dabei aber erzählerisch deutlich verwickelter.
von Jürgen Deppe
Da sitzt einer - der mäßig nachgefragte Trauerredner Franz Escher - in seiner Wohnung und wartet auf einen Elektriker. Eine Steckdose in seiner Küche hat einen Wackelkontakt. Aber wohl nicht nur die, sagt Escher-Erfinder Wolf Haas: "Escher ist so eine Figur, um es mit dem Titel 'Wackelkontakt' zu sagen, der hat auch Probleme, Kontakt aufzunehmen mit seinen Mitmenschen. Er ist so ein bisschen auf Kriegsfuß mit seiner Umwelt, könnte man sagen."
Normalerweise würde sich der misanthrope Escher die Wartezeit auf einen Elektriker mit dem Zusammenlegen eines Puzzles vertreiben. Er hat hunderte davon und ist nach allen Regeln der Kunst Puzzle-süchtig. "Mir gefällt das als Bild, wie man sich die Welt anzueignen versucht mit untauglichen Mitteln. Diese blöde Puzzlestruktur, die quasi völlig unabhängig von dem, was abgebildet ist, so ein neues, zweites Ordnungssystem aufdrängt. Das erinnert mich ein wenig an unsere allgemeine Unfähigkeit, gute Methoden zu haben, die Welt zu erkennen."
Jetzt aber vertreibt sich Escher die Wartezeit auf den Elektriker nicht mit einem Puzzle, sondern einem Buch:
Er las schon lange nur noch eine Art von Büchern, diese aber mit einer Leidenschaft, die fast mit seiner Puzzle-Sucht mithalten konnte. Bücher über die Mafia. ’Ndrangheta, Cosa Nostra, Camorra, er fraß die Bücher regelrecht. Sachbücher, Romane, historische Studien, was ihm aus diesem Feld unterkam, verschlang er mehr oder weniger kritiklos.
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https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Wol...rt,haas858.html
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