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Im ersten „Manifest des Surrealismus“ verkündete Andre Breton:
Ich glaube an die künftige Auflösung dieser beiden scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluten – wenn man so will – Überwirklichkeit. Ihrer Eroberung strebe ich zu in der Gewissheit, sie nicht zu erreichen..
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Georg Büchner in seinem berühmten „Fatalismus-Brief“:
Ich fühle mich wie zernichtet unter dem grässlichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur eine entsetzliche Gleichheit,in den menschlichen Verhältnissen eine unabwendbare Gewalt, Allem und Keinem verliehen. Der Einzelne war Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall , die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel..
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Elias Canetti sprach aufgrund seiner bewegten Biographie etliche Sprachen. Das Erlernen der deutschen war für ihn aufgrund der unerbittlichen Strenge seiner ansonsten innig geliebten Mutter eine sehr schmerzhaften Erfahrung:
Ich lebte nun in Schrecken vor ihrem Hohn und wiederholte mir untertags, wo immer ich war, die Sätze.. Sie achtete nicht darauf, dass ich vor Kummer wenig aß. Den Terror, in dem ich lebte, hielt sie für pädagogisch.
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Trumps Venezuela-Angriff beflügelt AfD-Politiker
Mehrere AfD-Abgeordnete bejubeln Trumps Vorgehen in Venezuela und zeigen ihre Verachtung gegenüber dem Völkerrecht. Sie folgen Trumps Weltbild: dem Recht des Stärkeren - geprägt vom nationalsozialistischen Vordenker Carl Schmitt.
Es könnten Jahre werden, in denen die USA über Venezuela herrschen werde, sagte US-Präsident Donald Trump kürzlich in einem Interview im Oval Office. Während die Journalisten der New York Times bei ihm saßen, erreichte den Präsidenten ein Anruf des kolumbianischen Staatschefs Gustavo Petro. Das Oberhaupt des südamerikanischen Nachbarstaats von Venezuela hatte er zuvor als „kranken Mann“ dargestellt, der gerne Kokain herstelle und es den Vereinigten Staaten verkaufe. „Und das wird er nicht mehr sehr lange tun“, drohte Trump. Ist Petro der nächste?
Ob Venezuela, Kolumbien oder Grönland – Trump will offenbar eine neue Weltordnung, die eher von Drohungen und Gewalt geprägt ist als vom Völkerrecht. In dieser steht Südamerika unter der US-amerikanischen Verantwortung und die Welt wird in Einflusssphären aufgeteilt. „Wir leben in einer Welt, (…), die von Stärke regiert wird, die von Gewalt regiert wird, die von Macht regiert wird“, sagte Trump-Berater Steven Miller dazu der CNN. Das seien die eisernen Gesetze der Welt seit Anbeginn der Zeit. Für die Neuen Rechten in Deutschland ist das eine Steilvorlage. Der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner, Teil der Identitären Bewegung und Vordenker des verfassungswidrigen Konzeptes der „Remigration“, schrieb dazu auf X: Grönland bekomme, wer stärker, schneller und smarter sei. Das Völkerrecht bleibe eine „Ohnmachtsrhetorik für Schwache“, schloss sich Markus Frohnmaier, Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, an. Und schreibt: „Die Welt ordnet sich schmittianisch neu.“ Damit nimmt er Bezug auf einen der oft zitierten nationalsozialistischen Vordenker der Neuen Rechten: Carl Schmitt.
Im März des Jahres 1865 ist Richmond im US-Staat Virginia die Hauptstadt der konföderierten Südstaaten, die im Bürgerkrieg mit der Union des Nordens liegen. Fünf Männer hat das Schicksal erst in Gefangenschaft geraten lassen und dort zusammengeführt. Cyrus Smith, Offizier der Nordstaaten-Armee und als Ingenieur ein Genie, Gideon Spilett, Journalist und Kriegsberichterstatter, Pencroff, ein Seemann, Harbert Brown, sein 15-jähriger Ziehsohn, und Nab, Smith' schwarzer Diener, planen die Flucht in einem Gasballon, den die Konföderierten für einen Kriegseinsatz startbereit halten. Die kühne Tat gelingt, doch ein heftiger Orkan hält den Ballon in seiner Gewalt und treibt ihn in fünf Tagen fast 7000 Meilen fort. Irgendwo über dem Pazifik reißt die Hülle, sämtliche Fracht muss abgeworfen werden. Kurz vor der Küste einer unbekannten Insel stürzt der lecke Ballon ins Wasser. Spilett, Pencroff, Harbert und Nab können sich retten, doch Smith sowie der im letzten Augenblick in die Gondel gesprungene Hund Top gehen in der stürmischen See verloren. Ohne Nahrung, Werkzeug und Waffen sind die Flüchtlinge gestrandet. Der praktische Pencroff organisiert den Notstand, doch aufwärts geht es mit der kleinen Gesellschaft erst, als Smith ohne einen Kratzer an einem weit entfernten Strand gefunden wird. Wie er sich retten konnte, weiß er nicht. Sofort macht er sich mit großem Einfallsreichtum über die natürlichen Schätze der Insel her, richtet eine Töpferei, eine Schmiede und sogar ein Labor ein.
Allmählich beginnt man sich häuslich einzurichten. Danach beginnt man die Insel zu erkunden. Eine Kette mysteriöser Ereignisse bestätigt, was die Gestrandeten vermuten: Sie sind nicht allein, und wer die Insel mit ihnen teilt, verfügt über außergewöhnliche, schier übermenschliche Fähigkeiten ...
Wer sich hinter dem großen Unbekannten verbirgt, ist natürlich eine Überraschung, die sich Verfasser Verne für den Schlussteil seines monumentalen Romans aufspart. Leider ist die Wahrung dieses Geheimnisses im Rahmen einer Buchbesprechung kaum möglich; die 'Schuld' lässt sich glücklicherweise auf voreilige Rezensenten-Kollegen abwälzen, die schon vor vielen Jahren den Mund nicht halten konnten oder wollten. Seien wir außerdem ehrlich: Wer sonst könnte denn gemeint sein, wenn wir überall dort, wo über "Die geheimnisvolle Insel" geschrieben wird, die Information folgt, dass dieser Roman die Quasi-Fortsetzung des Verne-Bestsellers "20.000 Meilen unter dem Meer" ("Vingt mille lieues sous les mers", 1869/70) ist?
Also: Kapitän Nemo ist keineswegs mit dem Hightech-U-Boot "Nautilus" in einem ozeanischen Strudel versunken, sondern hat die Weltmeere viele weitere Jahre unsicher gemacht, bis er nunmehr auf der geheimnisvollen Insel - die ihre Bewohner übrigens auf den Namen "Lincoln-Insel" taufen - endgültig vor Anker gegangen ist. (Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass "Die geheimnisvolle Insel" außerdem die Handlung von "Die Kinder des Kapitäns Grant"/"Les enfants du captaine Grant", 1867/68, aufgreift.)
Obwohl Hinrich von Haarens neuer Roman die Leser nach England führt, geht es in "Wildnis" vor allem um Hamburg. Der Autor findet eine lückenlos literarische Sprache für die Verirrungen seines verlorenen Helden. von Katrin Krämer Seit über 30 Jahren lebt Hinrich von Haaren in London, seine Bücher schreibt er aber auf Deutsch. "Es ist so ein bisschen wie eine Geheimsprache hier in England", erklärt von Haaren. "Ich muss oft Sachen nachschauen im Wörterbuch, weil mir nur das englische Wort einfällt. Ich habe das Gefühl, ich begebe mich dann in meinen eigenen persönlichen Raum."
Der eigene persönliche Raum für Gottfried Schult, die Hauptfigur im Roman, ist ein kleines Apartment im Londoner East End. Wann immer Schult genug hat von seinen Kollegen und seiner Arbeit als Historiker in Cambridge, zieht er sich dorthin zurück. Aber ein Buch über deutsche Angriffe auf englische Städte im Zweiten Weltkrieg zu schreiben, wie er eigentlich plant, gelingt ihm nicht. Dann lernt er den 30 Jahre jüngeren Ely kennen. Mit ihm ist alles anders. Anders als der schnelle Sex mit Strichern, der ihm bisher eigentlich genügt hat, denn zu viel Nähe verunsichert Schult.
Durch Ely werden in Schult nach und nach Erinnerungen wach, die er so lange verdrängt hat. "Ich habe sehr viel über Traumaverarbeitung recherchiert. Das ist ja auch die persönliche Geschichte des Romans, wie jemand mit einer solchen Erfahrung umgeht", sagt von Haaren. Immer wieder wurden die Nächte unterbrochen vom Fliegeralarm, der mit seinem Dauerton in die Dunkelheit schnitt. Dann kam seine Mutter hereingelaufen, und mit zwei stets fertig gepackten Koffern hasteten sie hinunter in den Keller.
Von Läden, in denen nette Menschen sind. Und Menschen, die ehrenamtlich arbeiten. Kollege S. war schon wieder auf Reisen gewesen, an der winterlichen Ostsee. Er gehöre keineswegs der Religionsgemeinschaft des Söderismus an, die den Genuss von Fleisch oder Wurst als wichtigstes Kriterium für das Menschenrecht auf Freiheit der Person ansehe, betonte S. etwas unvermittelt. Gelegentliche Einkäufe in Metzgereien erfolgten vielmehr mit einem ausgeprägten Bewusstsein für seine Mitschuld an den schädlichen Folgen der Haltung von Schlachttieren.
Vegane Nichtlesende (gleich komme auch ein Buchladen ins Spiel) könnten eventuell weghören, aber er könne nicht leugnen, dass der Besuch in der Metzgerei am Marktplatz von Lütjenburg, eines ziemlich idyllischen Städtchens im Hinterland der Ostseeküste, sich höchst erfreulich gestaltet habe. Es sei einer dieser Momente gewesen, in denen man sich, die Malaisen und Belastungen einer aus den Fugen geratenen Welt vorübergehend abschüttelnd, wie in einer Epoche erfreulicher Umgangsformen fühlen könne. Der fleischverkaufende Herr hinter der Theke, auf den ersten Blick der Prototyp eines tätowiert motorradfahrenden, also womöglich eher gröberen Kerls, habe sich als humorvoller, dem fremden Kunden liebenswürdig zugewandter Lichtblick entpuppt. Zu allem Überfluss habe er dem erworbenen Fleisch vier Party-Buletten als Geschenk beigefügt, aber von hier an könnten die vegetarisch und vegan Lebenden, vor allem die lesenden, gerne wieder am Gespräch teilnehmen.
Ganz nahe bei der Metzgerei befinde sich eine Buchhandlung nebst Antiquariat, berichtete S. Im vergangenen Jahr, so habe ein dort tätiger Herr erzählt, habe sie Insolvenz anmelden müssen, wegen der Spätfolgen von Corona. Aber kurz darauf habe eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern beschlossen, den Laden ehrenamtlich weiterzuführen. Einen Wunsch hätten sie: Der Bürgermeister solle mal vorbeikommen, um ihr Engagement zu würdigen und bekannt zu machen. Ach was, sagte S., der war inzwischen bestimmt schon da, das kann doch gar nicht anders sein, oder?
Ein anderer Herr, so S., sei eifrig zwischen Buchladen und Antiquariat hin und her gelaufen, und zwar leichten Fußes, was durchaus der Erwähnung bedürfe, denn der Herr habe sich den Gästen (ja, so hätten sie sich gefühlt) als 88-Jähriger geoutet. Als eines der Mittel, die ihn gesund erhielten, habe er den Genuss von Bier erwähnt. Aber das, sagte S., führe nach all dem Fleisch jetzt doch zu weit.
Die letzten drei Zeilen des Winterspazierganges sind sehr beeindruckend. Man ist mit sich und der Zeit allein und Gedanken formen sich von selbst. Und es ist deine Sprache, der man folgt, deinen Worten, die der Schnee verstehbar macht. Mir haben sie sehr gefallen.
Einst waren wir alle im glücklichen Garten, ich weiß nicht mehr, vor welchem Haus, wo wir die kindliche Stimme sparten für Gras und Amsel, Kamille und Strauß.
Da saßen wir abends auf einer Schwelle, ich weiß nicht mehr, vor welchem Tor, und sahn wie im Mond die mondweißen Felle der Katzen und Hunde traten hervor.
Wir riefen sie alle damals beim Namen, ich weiß nicht mehr, wie ich sie rief. Und wenn dann die Mägde uns holen kamen, umfing uns das Tuch, in dem man gleich schlief.
KATRIN zieht das Netz um das schwer messbare sterile Neutrino enger Max-Planck-Institut fur Kernphysik
Das KATRIN-Experiment hat mit beispielloser Präzision nach Anzeichen für eine vierte Art von Neutrinos gesucht, deren Nachweis neue Erkenntnisse jenseits des Standardmodells der Physik liefern könnte. Dabei konnte kein Signal nachgewiesen werden, und so verschärfen sich die Einschränkungen für eines der meist diskutierten Rätsel der Neutrinoforschung weiter.
Eugenes Ionescos Komödie „Die Nashörner“ wurde 1959 in Düsseldorf (auf Deutsch) uraufgeführt und 1960 in Paris erstaufgeführt. Das Drama in drei Akten spielt in einder kleinen Provinzstadt. Ein auf einem Platz auftauchendes Nashorn löst zunächst bei den Passanten Irritationen und absurde Diskussionen aus, so auch bei dem Protagonisten Berenger, einem lebensüberdrüssigen Büroangestellten, und seinem geschäftstüchtigen Freund. Im Büro entzündet sich später ein Streit um die rätselhaften Nashörner, bis ein zum Nashorn verwandelter Angestelter erscheint und das Treppenhaus zerstört. Die Rhinoziritise grassiert immer mehr. Wie nach und nach die Belegschaft, so verwandelt sich die gesamte Bevölkerung in wütende Nashörner, zuletzt auch die von Berenger geliebte Sekretärin Daisy, einzig er selbst bleibt als letzter Mensch übrig und ist verzweifelt entschlossen,, nicht zu kapitulieren. Ionescos international meistgespieltes Drama lässt sich als grotesk-satirische Darstellung ideologischen Massenwahns interpretieren.
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„Mir ist immer kalt“
47 Millionen Menschen in Europa können sich im Winter keine warme Wohnung leisten, ergibt eine Analyse von CORRECTIV.Europe. Auch in Deutschland sind Millionen betroffen. Ein Risiko für den sozialen Frieden, warnen Experten.
Ihr Sohn habe Glück, sagt Andrea*, denn er gehe zur Schule, da sei die Heizung an. Doch die 48-Jährige ist Frührentnerin: „Ich bin immer zu Hause. Mir ist einfach immer kalt.“ In Deutschland fehlt 5,2 Millionen Menschen das Geld zum Heizen – viele Menschen frieren. Das ergibt eine Analyse von CORRECTIV.Europe auf Basis von Daten des Statistikamts der Europäischen Union (Eurostat) aus dem Jahr 2024.
Ein kaltes Zuhause ist ein Gesundheitsrisiko, sagt Boris Kingma, Thermophysiologe der niederländischen Organisation für angewandte wissenschaftliche Forschung: „Man kann sich zwar mit Kleidung vor Kälte schützen, doch wenn der Wohnraum nicht geheizt wird, kann sich der Körper nicht mehr von der Belastung durch die dauerhafte Kälte erholen.“ Menschen in kalten Wohnungen haben ein erhöhtes Risiko für psychische und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte, außerdem für chronische Atemwegsinfektionen. Alle können nicht nur zum geringeren Wohlbefinden und Arbeitsunfähigkeit, sondern auch zum vorzeitigen Tod führen. „Nicht heizen zu können, sollte ernst genommen werden“, sagt Kingma. „Nicht nur im Bezug auf die Gesundheit von Millionen von Menschen, ab einem bestimmten Punkt ebenso wegen der Wirtschaft eines Landes – oder eben ganz Europa.“
In fast allen EU-Staaten, auch in Deutschland, ist die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 2021 gestiegen. Die aktuellen Daten für den europäischen Vergleich stammen aus dem Jahr 2023.
Für Deutschland gibt es bereits Zahlen für 2024, da waren 6,2 Prozent der Bevölkerung betroffen, hier zeigt sich ein Rückgang im Vergleich zu 2023. Jedoch sind es noch immer deutlich mehr als vor der Energiekrise (2021 waren es 3,3 Prozent). Bremen hat mit 12,2 Prozent den größten Anteil der ungeheizten Haushalte, danach folgen das Saarland (11,1 Prozent), der Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen (9,6 Prozent) und das südliche Rheinland-Pfalz (9,5 Prozent); den geringsten Anteil hat die Oberpfalz, hier sind es 1,4 Prozent.
Kurzgefasst: In seiner Villa in Tibur (Tivoli) schreibt der todkranke 60-jährige Kaiser Hadrian an seinen 17-jährigen Adoptivenkel, den späteren Herrscher Marc Aurel (121-180). Hadrian meditiert über die wechselnden Gesichter seines eigenen Ichs im Lauf seines Lebens: In Spanien geboren macht er in Rom politisch und gesellschaftlich Karriere und wird von Kaiser Trajan adoptiert. Die Friedenspolitik des feinsinnigen und kunstliebenden Hadrian, die im Gegensatz zur trotzigen Eroberungswut seines Vorgängers Trajan steht, lässt das Römische Reich für kurze Zeit aufatmen. Hadrian versucht, der korrupten Bürokratie durch eine umfassende Verwaltungs- und Heeresreform Einhalt zu gebieten, fördert Kunst und Kultur, lässt beeindruckende Bauwerke im ganzen Römischen Reich errichten und gründet zahlreiche Städte. Seine große Leidenschaft aber gilt Griechenland und dem bithynischen Knaben Antinous. Als Antinous mit 20 Jahren Selbstmord begeht, bricht das private Glück Hadrians auf einen Schlag zusammen. Zum Andenken lässt er seinen Geliebten in unzähligen Skulpturen und Kultstätten im ganzen Reich verewigen und benennt sogar eine Stadt nach ihm. Nur seine politische Verantwortung hält den trauernden und kranken Herrscher letztlich davon ab, seinen Schmerzen durch Selbstmord zu entgehen. Er findet Trost im Mystischen und stirbt schließlich mit seiner Seele versöhnt im Kreis seiner Vertrauten in Baiae/Neapel.
Der römische Kaiser Hadrian schreibt, schwer krank und sechzigjährig, in seiner Villa in Tibur Reflexionen über sein Leben an seinen Adoptivenkel Marcus, den späteren Kaiser Mark Aurel (Marcus Aurelius). Seine Geschichte ist eng verbunden mit der seines Vorgängers und Adoptivvaters Trajan (beide waren spanischer Herkunft), seiner engen Beziehung zu Trajans Frau Plotina, den Kriegen Roms, politischen Säuberungen, Hadrians Liebe zu Frauen und zum Jüngling Antinous, dessen früher Tod ihn schwer belastet. Hadrian verewigt Antinous in Form von Skulpturen und Kulten. Er lässt sich nach einer Reise durch Griechenland sein Mausoleum erweitern, schlägt einen Aufstand nieder, regelt seine Nachfolge und bereitet sich auf sein Ende vor. Hadrians Erinnerungen sind durchsetzt mit Reflexionen über existenzielle Fragen, über Werte und die Möglichkeit des Freitods.
Marguerite Yourcenar (1903-1987) wurde 1980/1981 als erste Frau in die Académie Française aufgenommen. Dieser Reputationsklotz hängt seitdem an ihrem Werk, kaum ein Beitrag über sie, auch dieser nicht, kaum ein Klappentext in einem Buch, kaum eine Buchkritik verzichtet auf diesen Hinweis. Als Künstlerin lebte die Französin isoliert, verbrachte die meisten Jahre nicht in Frankreich, sondern in den USA, Maine, Mount Desert Island.
Ich zähmte die Wölfin. Die Erinnerungen des Kaisers Hadrian wurde Yourcenars erster großer Erfolg und ist bis heute ihr wichtigster und bekanntester Roman. Das Buch kommt ohne Dialoge aus, Hadrian zitiert einen Brief und kurze Stellen aus der Literatur, ansonsten gibt er nur seine Erinnerungen wieder. Oft wird über Literatur geschrieben, sie sei sprachlich schön. Yourcenars Prosa gehört mit zur schönsten. Sie ist weitab davon, getexteter Kostümball oder historische Wandtapete zu sein.
Der Niederländer Tommy Wieringa erzählt in "Nirwana" von Schuld, Liebe und dem Zerfall der Demokratie - ein Roman als Spiegel unserer Zeit. von Annemarie Stoltenberg
Hat ein Wettrennen Richtung Apokalypse möglicherweise mit Langeweile begonnen? Es sah aus, als fände das fabelhafte demokratische Experiment durch so etwas Stumpfsinniges wie Langeweile sein Ende, es passierte einfach zu wenig. Die Kanonen schwiegen, der Durchschnittsmensch starb an Altersschwäche. Die Bürger hatten nicht die geringste Lust, ihre hart erkämpften individuellen Freiheiten zu verteidigen, nach einem Dreivierteljahrhundert Frieden, Freiheit und Wohlstand stand ihnen der Sinn schlicht nach Abwechslung - Rebellen aus Langeweile und Revolutionäre aus Zerstörungswahn.
Die Bedrohung rückt immer näher. Demokratie-zerstörende Regierungschefs werden demokratisch vom Volk gewählt. Wieringa erzählt von einer Familie, deren Familienoberhaupt 100 Jahre alt ist und ein enormes Vermögen anhäufen konnte, unter anderem durch den Bau und Vertrieb von Ölförderplattformen. Sein Sohn hatte nicht das Zeug zum Nachfolger, aber einer seiner Enkel lässt eine noch viel größere Bohrplattform der Superlative bauen. 13.000 Tonnen Stahl - mitten im Meer oder bald an den Polen, um den Fortbestand des Systems, wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand weiterhin zu garantieren. Es ist Willem, der das Unternehmen seines Großvaters übernimmt und steigert. Sein Zwillingsbruder Hugo ist Künstler geworden und arbeitet als Maler an einem entgegengesetzten Projekt. Er hat die Tagebücher seines Großvaters gefunden und deckt dessen grausame Nazi-Vergangenheit auf. 1941 notierte der in seinem Tagebuch: … als wir nach Tagen in Mariupol ankamen, waren die Erschießungen immer noch im Gange. Scharenweise wurden sie am Ufer des Parkteichs abgeknallt. Wer noch lebte, rang unter den Toten nach Atem. Scheußlicher Gestank. Das auserwählte Volk. Wo ist er jetzt, der Gott der Israeliten?
Warum der erste Schnee uns jedes Jahr aufs Neue verzaubert. Ein Freund erzählte neulich, dass sein Mittagsschläfchen recht ruppig beendet wurde. Der Grund dafür, berichtete er, sei Geschrei aus der Wohnung obendrüber gewesen. Ein langezogenes „Wooow“. Dann ein paar dumpfe Trippelschritte von oben. Und die Auflösung: „Komm her, schau mal, wie schön – es schneit!“
Spätestens da war sein Schlaf dahin. Deshalb sei er dann einfach dem nicht an ihn gerichteten Appell seiner Nachbarin gefolgt, zu seinem Fenster gegangen und habe eine Weile den langsam dahintrudelnden Schneeflocken zugeschaut. Jedes Jahr läuft es so. Man weiß, dass es im Winter schneien wird. Und trotzdem, wenn es dann wirklich so weit ist, sind so viele Menschen hin und weg. Sie stürmen hinaus und staunen, als sähen sie den Schnee zum ersten Mal. Oder wecken ihre Nachbarn.
Eigentlich braucht es keine Erklärung für Verzückung. Der Soziologe Hartmut Rosa hat vor ein paar Jahren dennoch nach einer gesucht – und eine mögliche im Begriff der Unverfügbarkeit gefunden. Dem sich unserer Kontrolle Entziehenden misst er dabei eine zentrale Rolle für eine lebhafte Beziehung zur Welt zu. Dadurch, dass Menschen nicht planen können, wann der Schnee fällt, verzaubert er sie. Es sei sozusagen das Geheimnis, die Voraussetzung dafür, dass eine schwingende Beziehung zur Welt entsteht. Rosa nennt das Resonanz. Nur an Orten oder in Situationen, die nicht optimierbar, kontrollierbar oder messbar sind, öffnen sich Resonanzräume, in denen eine tiefe, wechselseitige Beziehung warten kann. Außerdem sind diese Resonanzräume kleine Archive der Erinnerung und Fantasie. Man denkt an den letzten Schnee und an den ersten, an den man sich erinnern kann. An Unfälle mit Schlitten und schmelzende Schneemänner.
Oder an den Schulfreund, der mich mal im Frühsommer heimlich zur Kühltruhe seiner Eltern geführt hat und konspirativ sagte, dass dort eine Überraschung warte. Er hatte im vorangegangenen Winter Schneebälle eingefroren – und kramte nun einen unförmigen Eisklumpen hervor. Gefühlt haben wir stundenlang an dem Ding herumgemeißelt, bis wieder sechs Schneebälle zu erkennen waren. Sich mit den Dingern zu bewerfen, sei keine gute Idee, hatte seine Mutter gesagt. Die seien viel zu vereist. War uns egal. Also raus. Drei Eiskugeln auf beiden Seiten. Schneeballschlacht. Im Sommer. Im T-Shirt. Das ist dann wohl Halbverfügbarkeit.
So voll dürfte es im Penny im unterfränkischen Burgsinn noch nie gewesen sein: Eine Herde Schafe spazierte schnurstracks in den Discounter und wartete dann erst mal. Natürlich an der Kasse.
Großer Andrang gleich nach Ladenöffnung: Rund 50 Schafe sind am Montagmorgen schnurstracks in eine Filiale des Discounters Penny im unterfränkischen Burgsinn marschiert und haben sich etwa 20 Minuten lang zwischen Regalen im Kassenbereich aufgehalten, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte. Auch Schäfer Dieter Michler bestätigte den Vorfall gegenüber der »Main-Post « Es blieb ungeklärt, was die Schafe zu ihrem Ausflug verleitete. Sie hatten sich kurz zuvor von ihrer Herde gelöst und sich dann in das Geschäft verirrt. Nach dem Vorfall wurde der Markt gereinigt. Es sei nicht beabsichtigt, gegen den Schäfer Forderungen zu stellen, hieß es bei Penny.
Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren! Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid, vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid, hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.
Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren; nimm dein Verhängnis an. Laß alles unbereut. Tu, was getan muß sein, und eh man dir's gebeut. Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.
Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an: dies alles ist in dir. Laß deinen eitlen Wahn,
und eh du förder gehst, so geh in dich zurücke. Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann, dem ist die weite Welt und alles untertan.