Ernster Rat an Kinder
Wo man hobelt fallen Späne.
Leichen schwimmen in der Seine.
An dem Unterleib der Kähne
Sammelt sich ein zäher Dreck.
An den Strähnen von den Mähnen,
von den Löwen und Hyänen
klammert sich viel Ungeziefer.
Im Gefieder von den Hähnen
nisten Läuse, auch bei Schwänen.
(Menschen gar nicht zu erwähnen,
Denn bei ihnen geht viel tiefer.)
Nicht umsonst gibt’s Quarantäne.
Allen graust es, wenn ich gähne.
Ewig rein bleibt nur die Träne.
Und das Wasser der Fontäne.
Kinder, putzt euch eure Zähne!
Joachim Ringelnatz
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Warum es keine Einhörner mehr gibt
Zu der Zeit, als noch das wunderschöne Atlantis irgendwo auf dieser Welt existierte, lag nicht weit davon entfernt die Insel der Einhörner. Die Erde war noch lange nicht so dicht besiedelt wie heute und die Menschen hatten noch so viel Platz, dass sie sich nicht ständig über den Weg liefen. Da es so viel freien Raum gab, verstanden sich die Völker und sie führten keinen Krieg gegeneinander.
Die Aufgabe der Einhörner war es, das Gute im Menschen zu überwachen und das fiel ihnen auch überhaupt nicht schwer. Die Einhörner waren wunderschöne Pferde mit langen, weiß– silbrigen Mähnen und auf dem Kopf trugen sie ein einziges Horn. Dieses Horn war etwas ganz Besonderes, denn in ihm bewahrten die Einhörner den Frieden und die Zufriedenheit auf.
Gab es einmal Ärger zwischen den wenigen Menschen, so schütteten die Einhörner des Nachts über der Schlafstelle ein wenig Staub aus und schon am Nächsten Morgen mussten die Menschen über den gestrigen Streit lachen und versöhnten sich wieder. Solange die Einhörner das Horn auf ihrem Kopf trugen, würden die Menschen immer einen Weg finden, Streitigkeiten ohne Waffen auszutragen.
Die Zeit verging und es gab auf der Welt immermehr Menschen und der Platz den der Einzelne zur Verfügung hatte, wurde immer weniger. Durch die Enge stritten sich die Menschen immer öfter, aber es blieb bei Streitigkeiten und niemand fügte dem anderen ein ernsthaftes Leid zu.
Die armen Einhörner aber wussten bald nicht mehr, wo sie des Nachts zuerst beginnen sollten, um die vielen Streitigkeiten in Vergessenheit geraten zu lassen. Man muss wissen, dass es nur sehr wenige Tiere gab und dass die Menschen sich so schnell vermehren würden, hatte niemand vorhersehen können. So dauerte es nicht mehr lange und die armen Tiere kamen mit der Ausschüttung des Friedensstaubes nicht mehr hinterher. Je länger aber ein Streit dauerte, umso schwieriger war es, ihn beizulegen. Der Zauberstaub konnte nur bei Streitigkeiten etwas ausrichten, die nicht älter als drei Tage waren.
So gab es immer mehr Menschen, die verbittert waren und deren Streit nicht mehr zu schlichten war.
Die Einhörner aber wurden vor lauter Verzweiflung darüber, dass sie den Menschen nicht mehr helfen konnten, ganz krank. Und weil der Hass unter den Erdbewohnern immer größer wurde, beschlossen sie eines Tages, ihre Hörner abzulegen. Sie wollten dorthin zurückkehren, woher sie gekommen waren, nämlich ins Meer.
Einigen sehr weisen Menschen vermittelten sie vorher im Traum noch die Erkenntnis, dass Kriege nur alles verschlimmern. Und noch ein besonderes Geschenk machten sie den Auserwählten: Sie vermittelten ihnen die Gabe, von anderen geachtet und anerkannt zu werden und das Wissen, wie man am besten zwischen Menschen vermittelt, die sich streiten oder Kriege gegeneinander führen. Erst nachdem sie das getan hatten, legten die Einhörner ihre Hörner ab und trabten an den weißen
Strand, der die Insel umgab, auf der sie lebten. Und in dem Augenblick als sie im Wasser verschwanden, verwandelten sie sich in Seepferdchen, die wir heute noch sehen können.
Schade, dass nur die Kinder noch ahnen, wer das Seepferdchen,das sie sehen, einmal war.
(Denise-Annette Langner- Urso)
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Zuspruch für Anna
Hab keine Angst.
Solange es regnet,
wird es niemand bemerken,
dass deine Puppen weinen.
Fürchte dich nicht.
Ich habe den Revolver entmündigt,
alles Blei gehört uns,
wir können die Uhr damit füllen.
Hab keine Angst.
Ich werde die Geräusche fangen,
in kleine Schachteln sperren
und zur Post bringen.
Fürchte dich nicht.
Unsere Namen hab ich verkleidet.
Niemand soll wissen, wie wir uns nennen,
wenn wir uns rufen.
Günter Grass
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Der tote Mann
Er ging fort von seinen Augen,
fort von seinem Mund,
ging von seinen Händen fort.
Wohin er ging?
Keiner kennt den Ort,
keiner kehrt zurück von dort.
Wir wissen nicht, wohin wir gehen,
wenn wir Augen, Mund und Hände
hier zurückgelassen haben.
Die uns liebten, werde sie
unter rosa Tausendschön
und Vergißmeinnicht begraben.
Reiner Kunze
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Geburtstagsgedicht
(Der Mutter oder dem Vater aufzusagen)
Ach, wie schön, dass es das gibt:
Ich hab dich in mich verliebt.
Falls dir an mir nicht alles passt,
sei trotzdem froh, dass du mich hast.
Schau dir die anden Kinder an:
Du bist noch immer besser dran.
Drum sei schön lieb und brav zu mir,
dann bleib ich noch ein Jahr bei dir.
Wolf Harranth
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Papa war ein Maler
Papa war ein Maler,
Mama eine Fee.
Deine Sprache ist das
Sternen-Abc.
Du hast Wolkenschuhe
für dein Träumeseil
und im Mitgiftköcher
einen Wortepfeil.
Regenbogenseide
schirmt dich vor der Welt,
wenn dich mal im Fallen
meine Hand nicht hält.
Geh beruhigt schlafen,
Worte decken zu.
Und vergib, ich hab nicht
Worte so wie du.
Miriam Francis
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was du nicht tun sollst
lass keine fliege in
der milch baden
lass keinen fuchs bei
hennen übernachten
lass keinen wolf das
rotkäppchen fressen
lass keine maus über
den speck spazieren.
Norbert C. Kaser
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Was alles in den Dingen steckt
Im Traum ein Raum,
im Schmaus eine Maus,
im Messer der Esser,
in der Fahne der Ahne.
Im Gewicht ein Wicht,
in der Katze der Atze,
im Kaffee der Affe,
im Schein der Hein,
und der heini in der Bescheinigung.
Im Dickicht ich.
im Kerker er,
im Sieger sie,
in der Wirrnis wir.
Im Gestopften ein Topf,
im Gefohnen ein Floh,
im Gekochten der Koch,
im Gebrauten die Braut.
Im Knie ein nie!
Im Bauch ein au!
Im Krach ein ach!
Im Hohn ein oh!
Franz Führmann
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Die Verse erinnern mich gerade an ein schönes Kinderbuch:
Wie die Katze zum K kam.
"...Ein Tier kommt zu spät zur Namensverteilung und erhält die vier letzten Buchstaben: ATZE. Wie man es dreht und wendet, einen schöneren Namen kann man daraus nicht machen: AETZ, ETZA, EATZ ... Ganz klar: es fehlt ein Buchstabe. Doch wen auch immer die ATZE fragt, niemand will einen Buchstaben abgeben. Wo kämen wir da hin, wenn aus dem Floh plötzlich ein Loh würde, aus dem Hund ein Und und aus dem Barsch ein ... nein, so etwas verbietet sich sogar in Gedanken!..."
http://www.stolzverlag.de/de_shop_20_1_5...-zum-k-kam.html
Schenke der Welt mein Lächeln,
morgen lächelt sie zurück.
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Kindergebet zum Samstag
Lieber Gott, mach mich fromm,
dass ich in den Himmel komm.
Segne, was du mir bescheret hast
und sag der Oma, dass es mir nicht passt,
wenn sie am Sonnabend bohnert.
Außerdem kocht sie mir Linsen,
tut Mettwurst mit Stippen hinein,
die Stippen sind dick wie mein Däumchen,
mein Däumchen ist gar nicht so klein.
Immer krieg ich am Samstag
von Linsen mit Mettwurst die Wut,
weil Großmutter vorher noch bohnert
und Bohnerwachs auftragen tut.
Linsen und Mettwurst und Bohnern,
das ist doch kein gutes Gerihct,
krieg ich das nochmal zu essen,
spuck ich es ihr ins Gesicht.
Ich bin klein, mein Herz ist rein,
soll keiner drin bohnern als wie du allein.
Fritz Eckenga
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Mamita
Sind die Sterne erfrorene Märchen?
Geht dem Wind mal die Puste aus?
Kommen Bäume grün in den Himmel?
Wächst man immer geradeaus?
Ist der Mond eine weiße Blume?
Kann man weinen, weil Frühling ist?
In Karaffen das schwarze Schimmern
ist das träumender Amethyst?
Stirbt der Sommer an Nachmittagen?
Steinerne Engel am Brunnenrand?
Darf ich im Garten mein Zelt aufschlagen?
Gehst du morgen an meiner Hand?
Kann ich mit in die Kathedrale?
Knöpfst du mir meine Hose zu?
Wenn ich Gott deine Augen male,
sieht er mich dann so an wie du?
Miriam Francis
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Zitat von Sirius
Kindergebet zum Samstag
Lieber Gott, mach mich fromm,
dass ich in den Himmel komm.
Segne, was du mir bescheret hast
und sag der Oma, dass es mir nicht passt,
wenn sie am Sonnabend bohnert.
Außerdem kocht sie mir Linsen,
tut Mettwurst mit Stippen hinein,
die Stippen sind dick wie mein Däumchen,
mein Däumchen ist gar nicht so klein.
Immer krieg ich am Samstag
von Linsen mit Mettwurst die Wut,
weil Großmutter vorher noch bohnert
und Bohnerwachs auftragen tut.
Linsen und Mettwurst und Bohnern,
das ist doch kein gutes Gerihct,
krieg ich das nochmal zu essen,
spuck ich es ihr ins Gesicht.
Ich bin klein, mein Herz ist rein,
soll keiner drin bohnern als wie du allein.
Fritz Eckenga
Schreiben macht schön.
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Danke, Leo!
Die Sonntagmorgenmeise
Die Meise hat aufs Dach gepickt.
So?
Die Meise hat mich wachgepickt.
Und dann?
Dann habe ich mich wachgeblickt.
Und nun?
Nun bin ich hier.
Was wirst du tun?
Darf ich ins Bett zu dir?
Reiner Kunze
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